Pressemitteilung
21. Februar 2005
Alte Fenster statt Lüftungen in Fachwerkhäusern
Fachwerkhäuser nicht kaputtsanieren
Sicher waren unter den 120 Gästen nicht nur Ratsuchende und Fachleute für kostengünstige Fachwerkinstandsetzung, die zum Vortrag in das Sielmann-Gut Herbigshagen bei Duderstadt gekommen waren, sondern auch von der spektakulären Ankündigung über Sinn und Unsinn aufwändiger Sanierung Herbeigelockte, die zum Thema weitere ungewöhnliche, aber nützliche Aussagen erwarteten. Diese kamen auch ungebremst und mehrfach, wie zum Beispiel die vehement geäußerte Auffassung des Referenten Konrad Fischer: „Ich bin gegen jegliche Lüftungen, ich bin für gute alte Fenster.“
Der Architekt aus Hochstand am Main gestaltete mit teilweise recht provokanten Aussagen den zweiten Abend einer Vortrags- und Diskussionsreihe, die vom Forum Fachwerk Eichsfeld für Fachwerkhausbesitzer, Handwerker und weitere Interessenten angeboten wird.
Für Arbeiten am Fachwerk wurden während des Vortrags Lösungswege vorgeschlagen, die sich bewusst gegen bestehende Bau- und Sanierungsvorstellungen richten. Konrad Fischer verkündete: „Dämmstoff dämmt überhaupt nicht“, und stellte sich damit gegen den bestehenden „Wärmedämmwahn“ der Industrie und gesetzgebende Vorschriften. Er ist überzeugt, dass ein Fachwerkhaus nie eine Wärmedämmverordnung erfüllen kann, die auf ein Niedrigenergiehaus zugeschnitten wurde: „Damit saniert man ein Fachwerkhaus kaputt und treibt die Kosten unnötig in die Höhe.“
Fischer weiß, daß Schimmel nicht nur im sanierten Altbau auftritt, sondern auch in Neubauten Stock- und Schimmelflecken zu finden sind. Um Schimmel aber zu vermeiden, braucht man Frischluft. Die heutigen Fenster sind jedoch zu dicht und eine regelmäßige Lüftung ist auch nicht ausreichend, weil ein vierköpfiger Haushalt am Tag 10-12 Liter Wasser in die Luft atmet. Dieses Wasser kondensiert in der Wand aus und führt bei unzureichender Lüftung zur Schimmelbildung.
Auch mit falschen Anstrichen am Fachwerkbau setzte sich Architekt Fischer auseinander und empfahl, das Holz mit Leinöl und Ölfarbe zu streichen statt Alcyldharz- und Silikatfarben zu verwendet, deren Oberflächen zu dick, zu dicht und zu fest werden und relativ schnell abblättern. Gefache sollten mit Kalk geputzt und mit Kalk-Kasein-Farbe gestrichen werden, wie es jahrhundertelang in bewährter Weise im Fachwerkbau üblich war.
Nach den ersten erfolgreichen Diskussionsabenden dürften das Interesse an den weiteren Vorträgen noch gestiegen sein. Demnächst geht es um den Baustoff Lehm, seine Eigenschaften und Verwendungen, um Steuereinsparung bei der Denkmalsanierung und um Bauphysik am Fachwerkbau.
Zu einem Runden Tisch für Handwerker und Ingenieure, die in der Denkmalpflege tätig sind, die Altbauten sanieren sowie sich mit ökologischem Bauen befassen, lädt Geschäftsstellenleiterin Barbara Töpfer-Werner schon jetzt für Freitag, den 4. März 2005, um 20.00 Uhr in den Norddeutschen Bund in Heiligenstadt ein. Hier wird das Forum Fachwerk Eichsfeld, ein eichsfeldisches Projekt von „Regionen Aktiv - Eichsfeld aktiv“ vorgestellt und ein Überblick über Besonderheiten der Fachwerkhäuser im Eichsfeld gegeben. Als wichtiges Ziel des Abends ist vorgesehen, ein Netzwerk zur Fachwerkerhaltung und -sanierung zu gründen, dem Handwerker, Ingenieuren und weitere Fachleute der Region angehören.
Termine und weitere Informationen: www.forum-fachwerk-eichsfeld.de