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Der Verein Eichsfeld Aktiv - Gesellschaft zur Entwicklung des Ländlichen Raumes im Eichsfeld e.V. führt, getragen durch die Arbeitsgruppe Forum Fachwerk Eichsfeld, gemeinsam mit der LEADER RAG Eichsfeld eine Veranstaltungsreihe zum Thema Baukultur & Demografischer Wandel im Eichsfeld durch. Informationen dazu hier auf dieser Seite bei Veranstaltungen und in der Informationsbörse.

Bei einem alten Haus ist gerade bei den steigenden Heiz­kosten der Energie­bedarf ein wichtiges Kriterium. Daher kommt es gerade im Altbau darauf an geschickte wärmedämmende Massnahmen zu ergreifen, die die Bausubstanz erhalten.

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"Mir blutet das Herz"

  

"Mir blutet das Herz"

Geismar. (tlz) Pragmatische Lösung, allein diktiert vom Mangel an Geld? Oder fast schon ein Sakrileg? Auf den Abbau des Geburtshauses von Bischof Konrad Martin in Geismar, dem aber ein Wiederaufbau folgen soll (wir berichteten), wird mit Einsicht in scheinbar Unabänderliches, aber auch mit Empörung reagiert. Einig sind sich Zustimmende und Kritiker, dass das Abtragen des Hauses einen bitteren Schlusspunkt unter ein langes, trauriges Kapitel setzt.

Das Gebäude, das seit Jahren zusehends verfiel und keine mitleidige, vor allem finanzkräftige Seele fand, die es sanieren wollte, wird seit Montag zerlegt. Die Balken, akribisch nummeriert, sollen zwecks einer späteren Rekonstruktion eingelagert werden. Auf einen Tipp der Unteren Denkmalbehörde hin war das "Forum Fachwerk Eichsfeld", ein Projekt des Programms "Eichsfeld aktiv - Regionen aktiv" auf das Gebäude aufmerksam geworden. Das Forum spürt ungenutzte historische Häuser auf, um sie zu vermarkten und somit zu erhalten. So wurde auch das Konrad-Martin-Haus bereits im Internet angeboten - ohne Erfolg.

Als Geismarer mit Wehmut, als Geschäftsführer der Bäuerlichen AG "Am Hülfensberg", der das Haus gehört, mit Erleichterung über den Rettungsversuch gab Gerhard Kohl dem "Forum" die Zustimmung zum Abbau. Das einst von der Treuhand erworbene Gebäude sollte eine Zufahrt zu einem AG-eigenen Grundstück ermöglichen. Kaufen wollte man nur einen nötigen Teil. "Alles oder gar nichts", hieß es aber bei der Treuhand. Mit Pfarrei und Gemeinde vereinbarte Kohl für später eine Übernahme. Doch dabei blieb es. In der Folge blieb es auch beim Bedauern der Kirchenleitungen in Paderborn und Erfurt, das Haus aus finanziellen Gründen nicht sanieren zu können. Für Hilfe von dort hatte sich Landrat Dr. Henning eingesetzt.

Jahrelang eingesetzt

"Ich bin erschüttert", reagiert Bruno Hebestreit auf den Abbau. Über Jahre hatte sich der Sprecher des Bekennerkreises ,,Konrad Martin" dafür eingesetzt, dass das Gebäude, in dem am 18. Mai 1812 der spätere Paderborner Bekennerbischof geboren wurde, saniert werden müsse. Aber er fand keine Verbündeten. Es sei vielleicht ein Trost, dass auf Initiative von Peter Mähler vom "Forum Fachwerk", dem ebenfalls der Erhalt des Hauses am Herzen liege, zumindest das Fachwerk gerettet werde. Aber es tue weh, dass das Haus jetzt falle. ,,Mir blutet das Herz", sagt Hebestreit, der sich Besseres vorgestellt hatte: Sanierung mit Einrichtung eines Konrad-Martin-Zimmers und touristischer Nutzung des geschichtsträchtigen Hauses.

Eine bessere Lösung hatte sich auch Peter Anhalt vom Verein für Eichsfeldische Heimatkunde gewünscht. Doch da sich kein Käufer oder ein Verein wie z.B. bei der Herrnmühle in Heiligenstadt fand, sei die Demontage mit angestrebter Rettung wohl ,,noch die beste Variante, freilich ein Kompromiss", erklärte er. Innig hofft Anhalt auf einen Wiederaufbau in Geismar, dem Geburtsort von Bischof Konrad Martin.

Für Bürgermeister Aloys Genau ist die Demontage "die einzig machbare und der Sache dienende Möglichkeit". Anstöße von Vereinen und Interessengruppen mit der Absicht, das Haus für Geismar zu erhalten, habe es mehrfach gegeben. Aber die Frage der Zuständigkeit und finanzielle Nöte ließen an einem Punkt gelangen, an dem nur diese pragmatische Lösung übrig blieb. Die Bedeutung der Geburtsstätte von Bischof Martin für die Gemeinde sei unbestritten, betont Genau. Er fügt aber auch hinzu, dass die Kommune nicht für alles zuständig sei.

Ebenso bedauert der Landrat, dass sich keine andere Antwort hat finden lassen. Aus seiner Sicht hätten sich für die langfristige Übernahme von Verantwortung Strukturen finden müssen. Doch dazu sei weder die Pfarrgemeinde, noch die Kommune, noch der Kreis in der Lage. Henning stellt allerdings klar, dass die Bedeutung Konrad Martins im kirchlichen und - konkreter - im Paderborner Bereich liegt.

Propst Heinz-Josef Durstewitz scheut sich nicht, in der Vernachlässigung des Hauses eine "gewisse kirchliche Gleichgültigkeit" zu sehen. Die Presseinformation über die Demontage habe ihn sehr berührt.

"Gern mit zugepackt"

Verwundert beobachtet Gerhard Hartleib aus Geismar die Abbauaktion. Er kann sich gut vorstellen, dass das Konrad-Martin-Haus über ein von der Gemeinde oder den Kreis initiiertes Projekt hätte saniert werden können, ,,z.B. im Rahmen von Ein-Euro-Jobs". Selbst Maurer und arbeitslos, hätte er gern mit zugepackt. "Und wir haben in Geismar mehrere Männer aus der Handwerkerbranche, die bestimmt als Ein-Euro-Jobber mitgemacht hätten, wenn es richtig organisiert und von der Gemeinde angestoßen worden wäre", sagt der 52-Jährige. Bei der Renovierung des Saales im Kulturhaus habe Geismar ja gezeigt, was in Eigenleistung möglich sei. Vereine und Bürger hatten den Saal saniert, der im Februar 2004 als Schmuckstück übergeben wurde. ,,Wer weiß, was wird, wenn - wie vorgesehen - die Balken des Konrad-Martin-Hause eingelagert werden", befürchtet Hartleib, dass das Geburtshaus des Bekennerbischofs in Geismar ,,nie wieder aufkreuzt und aufgebaut wird".Die Gedenktafel über dem Eingang nahm Bäckermeister Althaus in Verwahrung.

12.04.2005   Von Monika Köckritz und Ernst Beck

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