|
TA-Text:
Vom Verfall bedrohte Fachwerkhäuser zu retten, das haben sich das Forum Fachwerk Eichsfeld und die Thüringer Allgemeine in einer gemeinsamen Initiative vorgenommen. Die Bemühungen tragen erste Früchte. Für einen 200 Jahre alten Vier-Seit-Hof in Sickenberg gibt es eine Interessentin, und die beginnt bereits, ihre Ideen umzusetzen.
Von Natalie HÜNGER
SICKENBERG. Grimms Märchen Hänsel und Gretel hätte in Sickenberg spielen können. Hier gibt es ganz in der Nähe einen Wald und gleich neben der Streuobstwiese ein Gehöft mit Backhaus. In den Ofen würde eine Hexe der Länge lang reinpassen. Zufall? Das kleine Dörfchen liegt an der Deutschen Märchenstraße. Und hierher hat es nun Kristina Bauer verschlagen. Die Agraringenieurin will Göttingen verlassen und in den märchenhaften Vier-Seit-Hof ziehen, der allerdings erst gründlich saniert werden muss. Nicht nur für sie, auch für die engagierten Mitglieder des Forums Fachwerk Eichsfeld geht damit ein großer Wunsch in Erfüllung. Denn das Forum will solche alten Gehöfte vor dem Verfall retten und andererseits Leuten helfen, die genau so ein Objekt suchen und wieder aufbauen möchten. In Sickenberg ist dies nun gelungen. Der landwirtschaftliche Hof ist fast 200 Jahre alt, das belegt die Inschrift auf einem der Grundmauernsteine. Bis vor etwa fünf Jahren lebte in dem herrschaftlichen Anwesen eine Rentnerin, zwar großzügig, aber mit wenig Komfort. Wie im 19. Jahrhundert gibt es hier kein Bad, sondern draußen ein Plumpsklo. Das Wasser kommt aus einer Quelle, und geheizt wird mit Öfen. Strom gibt es aber schon, zeigt sich Kristina Bauer begeistert von der Atmosphäre des Gehöfts. Das Wohnhaus hat eine Grundfläche von 17 mal 9 Metern. Die Zimmer sind geräumig und haben auch eine komfortable Höhe eher ungewöhnlich für ein Fachwerkhaus. Die neue Besitzerin möchte hier ein Hofcaf und Gästezimmer einrichten ganz nach dem Motto Ferien auf dem Bauernhof. Zu dem Hof gehören außerdem ein Torhaus, ein Stall, das Backhaus und ein Wagenschuppen inzwischen eher selten zu finden. An dem ganzen Ensemble wurde seit seiner Erbauung nicht allzu viel gemacht, stellte Zimmermann Marcel Bode fest. Ein wahrer Glücksfall, denn so wurde auch nichts verschlimmbessert. Und so kommt Bode ins Schwärmen, wenn er sich die alten Holzfenster mit einzeln zu öffnenden Oberlichtern ansieht oder die Tapete aus dem 19. Jahrhundert, die an den Wänden zum Vorschein kommt. Sogar Wandmalereien haben die Handwerker schon freigelegt. Die möchte die Bauherrin als Fresco erhalten. Zum Hof gehört ein großer Garten und eine 3500 Quadratmeter große Streuobstwiese beste Voraussetzungen für die biologische Wirtschaftsweise, die Kristina Bauer hier einführen will. Sie möchte alte Kulturpflanzen anbauen und fast vergessenen Nutztierrassen wieder ein Zuhause geben. Mit dem Garten hat sie schon angefangen, und, wie sie verrät, auch gerade ein Gartenbuch über den Anbau von Gemüsepflanzen im Ulmer Verlag veröffentlicht. Etwa ein Jahr wird es wohl dauern, bis das denkmalgeschützte Fachwerk-Ensemble fit für die Zukunft ist. Die Eigenleistung werde sich wohl auf die Außenanlagen beschränken, schätzt Kristina Bauer. An die Gebäude lasse ich lieber die Fachleute ran. Barbara Töpfer-Werner, die Geschäftsführerin des Forum Fachwerk Eichsfeld, wünschte der neuen Besitzerin des Hofes gestern viel Glück. Natürlich hofft sie, bald noch mehr solcher Erfolgsgeschichten verkünden zu können. Wer ebenfalls ein altes Fachwerkhaus retten möchte oder eines anzubieten hat, der kann sich auf der Webseite des Forums informieren unter:
TA-Internetservice: www.forum-fachwerk-eichsfeld.de
Impressionen des Vier-Seit-Hofes in Sickenberg sind im Internet in einer TA-Dia-Schau zu sehen, und zwar unter:
TA-Internetservice: www.thueringer-allgemeine.de/eichsfeld |