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Der Verein Eichsfeld Aktiv - Gesellschaft zur Entwicklung des Ländlichen Raumes im Eichsfeld e.V. führt, getragen durch die Arbeitsgruppe Forum Fachwerk Eichsfeld, gemeinsam mit der LEADER RAG Eichsfeld eine Veranstaltungsreihe zum Thema Baukultur & Demografischer Wandel im Eichsfeld durch. Informationen dazu hier auf dieser Seite bei Veranstaltungen und in der Informationsbörse.

Bei einem alten Haus ist gerade bei den steigenden Heiz­kosten der Energie­bedarf ein wichtiges Kriterium. Daher kommt es gerade im Altbau darauf an geschickte wärmedämmende Massnahmen zu ergreifen, die die Bausubstanz erhalten.

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Fr 21.01.05 Vortrag Fachwerkhaus im EIC

Fr 21.01.05 Vortrag: Traditionelle Entwicklung des Fachwerkhauses im Eichsfeld, sowie Hausforschung : von Dr. Christian Schade

Vortragsreihe zu der Thematik ökologische und fachgerechte Sanierung von Fachwerkgebäuden

 

Das Forum Fachwerk Eichsfeld bietet zu der Thematik ökologische und fachgerechte Sanierung von Fachwerkgebäuden eine Vortragsreihe mit ausgewiesenen Fachleuten an. Wir sind froh diese kompetenten Referenten für unsere Region gewinnen zu können und wünschen erfolgreiche Veranstaltungen.

  Termin

Referent

Thema

Ort

Veranstaltungsreihe

 

 

Fr 21.01.05

Dr. Christian Schade

Traditionelle Entwicklung des Fachwerkhauses im Eichsfeld, sowie Hausforschung

Heiligenstadt Altes Rathaus

 


Entwicklung des Fachwerkbaus und Hausforschung in der Region Eichsfeld von Dr Christian Schde (Kurzversion)

Der in vielen Dörfern des Eichsfeldes noch zahlreich vorhandene Bestand an Fachwerkbauten reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Da sind zunächst sogenannte Firstständerbauten entlang der südniedersächsisch/thüringischen Grenze. Bei diesen Häusern des 16. Jahrhunderts reichen die in der Mittelachse stehenden Ständer von der Grundschwelle bis zum First im Unterschied zu Ständerbauten, bei denen die Ständer der Außenwände nur traufhoch sind.

 

Parallel dazu finden sich Stockwerksbauten, bei denen jedes Stockwerk einzeln abgezimmert wurde. Sind bis jetzt nur wenige Häuser des 16. Jahrhunderts bekannt (z.B. Uder 1551d), so sind die noch stehenden Häuser aus der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg zahlreicher. Eine große Anzahl lässt durch Inschriften aber auch durch äußerliche Gefügemerkmale auf das 18. oder 19. Jahrhundert datieren. Führen diese Anhaltspunkte nicht zu einer klaren Altersbestimmung, kann die Bestimmung durch eine dendrochronologische Untersuchung (Jahresringuntersuchung, bezeichnet mit d hinter der Jahreszahl) vorgenommen werden. Es sind der Regel 2-zonige Wohnhäuser, die aus einer Flur-Küchenzone im Mittenbereich mit Eingangstür und einer Stubenzone mit Ausrichtung zur Straße bestehen oder 3-zonige Wohnstallhäuser, bei denen sich zusätzlich ursprünglich eine Stallzone am Rückgiebel befand. Dieser Haustyp wird als mitteldeutsches Ernhaus bezeichnet. Weisen die Häuser des 16.-, 17.- und 18. Jahrhunderts noch Vorkragungen und Fachwerkverzierungen und –figuren auf, bringt das 19. Jahrhundert eher schlichte  Fachwerkbauten ohne Vorkragungen hervor. Ende des 19. Jahrhunderts wird im ländlichen Bereich der Fachwerkbau durch den Massivbau abgelöst.

 

In Ermangelung eines Freilichtmuseums, in dem die Region Eichsfeld berücksichtigt wird, ist eine Dokumentation der vorkommenden Hauslandschaft notwendig. Einige Mitglieder der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. im Raum Göttingen/Eichfeld haben in den vergangenen Jahren einige Häuser näher untersucht und dokumentiert.

 

Zunächst werden die Firstständerbauten der Region vorgestellt. Diese Bauweise ist in mehreren Regionen Süddeutschlands (Kraichgau, Eifel, Raum Tübingen) schon länger bekannt. Die Firstständerbauten unserer Region, von denen noch 3 Häuser an Ort und Stelle stehen, sind erst seit wenigen Jahren als solche erkannt worden. Von einem 4. Haus in Groß Schneen (Landkreis Göttingen), das bereits 1923 abgerissen wurde, existiert ein Foto. Teile eines 5. Hauses sind in Diemarden in Zweitverwendung entdeckt worden. Aufgrund dieser 5 nachgewiesenen Häuser kann davon ausgegangen werden, dass diese Häuser in unserer Region bis in das 16. Jahrhundert zu den gängigen Haustypen neben anderen gehört hat.

 

Das erste Haus wurde 1986 von H. Schröder aus Friedland in Reiffenhausen im Landkreis Göttingen entdeckt. Es ist ein 4-zoniges Haus von etwa 8 m mal 20 m Grundfläche. Die Stubenzone (straßenseitig) und die Küchenzone sind 1571(d), die Stall- und Scheuenzone 1614(d) erbaut.

 

Die Küchenzone ist ein ursprünglich 2-geschossiger Raum, in dem sicherlich ein offenes Herdfeuer brannte. Dieser hohe, stets quer erschlossene Raum war allen Häusern diesen Typs gemeinsam. Dieser Raum ist in jedem dieser Häuser durch eine eingestellte Decke in 2 Ebenen mit weiterer Einteilung in Kammern oder Zimmer umgebaut worden. Die Dachkonstruktion unterscheidet sich von den anderen Häusern mit einem Dachstuhl und Sparren. Auf den Firstständern, die in der Mittellängsachse im Abstand von 4 m bis fast 6 m aufgestellt sind, ist eine Firstpfette aufgezapft. An Ihr sind sogenannte Rofen befestigt, die von der Firstpfette über die Außenwände, auf denen diese aufliegen, hinausreichen. Die Außenwände, die in der Regel ebenfalls in Ständerbauweise errichtet wurden, werden durch waagerechte Riegel gegen den Druck der Rofen nach außen gehalten. Zwischen den Firstständern sind mächtige Unterzugsriegel vorhanden, auf denen Deckenbalken der Dachbodendecke lagern.

 

Nach der Wende fiel ein 3-zoniges Haus in Wahlhausen (1535d, Landkreis Eichsfeld) auf, bei dem allerdings die 4 Firstständer im Jahre 1739(d) als Folge eines Brandes im Dachbereich abgesägt wurden und die ursprüngliche Dachkonstruktion durch einen stehenden Dachstuhl ersetzt wurde. Es finden sich an der verbliebenen Fachwerkkonstruktion eindeutige Hinweise auf die Firstständerbauweise. Wie in dem Teil von 1571 in Reiffenhausen wurden in Wahlhausen zum Teil noch Blattverbindungen angewandt.

 

Das dritte Haus dieser Bauweise wurde 1998 in Diemarden (1599d, Landkreis Göttingen) entdeckt. Es ist ein 4-zoniges Haus mit einem Gerüst aus 5 Firstständern. Neben anderen recht altertümlich wirkenden Merkmalen befinden sich hier in der Dachkonstruktion noch Rofen, die, mit einem kurzen Holz (30-50 cm) als Haken gesichert, an der Firstpfette aufgehängt sind. Ein Teil der Firstpfette sowie 2 Kopfbänder konnten auf das Jahr (1514d) datiert werden. Alte Zapf- und Anblattungsspuren deuten auf Verwendung dieser Bauteile in einem Vorgängerbau gleicher Bauweise hin.

 

Vorgestellt wurde zum Abschluss ein ehemaliges Wohnstallhaus aus Obernfeld (1661d, Landkreis Göttingen). Dieses Haus wurde im Zuge des Abbaus zum Zwecke der Einlagerung aufgemessen. Das in Stockwerksbauweise errichtete Wohnhaus wies ursprüngliche eine straßenseitige Stubenzone, eine ungeteilte Flur-Küchenzone und rückseitig eine Stallzone auf. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist das Haus geteilt wurden und diente 2 Besitzern als Wohnstätte. Dazu ist im Flur beider Stockwerke eine Trennwand eingezogen worden, die aus Bruchsteinen errichtet wohl zunächst auch als Herdwand gedient hat. Das Haus besaß 2 Gewölbekeller und 2 Treppen in das obere Stockwerk. Eine Partei des Hauses bewohnte die straßenseitigen Räume, die andere die Räume im hinteren Hausbereich. Dieses Haus zeigt neben den bauzeitlichen Gefügemerkmalen des 17. Jahrhunderts die beengte Wohnsituation des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Diese Zeugnisse der Ortsgeschichte wären ohne diese Aufmaßzeichnungen undokumentiert aus dem Dorfbild verschwunden.